„Ni-Ju Nen“ – seit 20 Jahren auf dem Weg des Karate-Do

Von Bianca Walsleben

Anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens, hatte es sich der „Hatsuun Jindo“ Karate-Club Magdeburg-Barleben e.V. zur Aufgabe gemacht, Karatekas zusammen zu bringen und ihnen ein großartiges Event zu bieten: Einen Lehrgang in hochkarätiger und bislang einmaliger Konstellation – der „Ni-Ju Nen“.

So wurden Kontakte nach Japan und Südafrika geknüpft, um zwei Meister für das Jubiläum zu gewinnen, die sich bereits auf dem World-Cup gegenüber standen: Die Träger des sechsten Dans Toshihito Kokubun und Johan La Grange. Um die Riege zu komplettieren freute sich der HKC auch Shinji Akita, ebenfalls sechster Dan, begrüßen zu dürfen. Dem Aufruf des Vereins mit ihnen gemeinsam auf sportlichem Wege die zwanzig Jahre zu feiern, sind unglaubliche 430 Karatekas aus ganz Deutschland und Tschechien gefolgt. Für das Gelingen dieses großen Projekts trugen auch der Minister für Inneres + Sport des Landes Sachsen-Anhalt, der Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt und der Bürgermeister der Gemeinde Barleben als Schirmherren bei. Letzterer stellte dem Verein in Barleben den Komplex der Mittellandhalle zur Verfügung. Diese bot den Vorteil von zwei Dreifeldhallen in einem Gebäude, mitsamt Übernachtungsräumen und Foyer zur Präsentation von aktuellen Büchern zum Kampfsportgeschehen und der japanischen Geschichte von Schlatt und einem Stand von SaikoSports, die sowohl die Jubiläums-T-Shirts als auch Kampfsportkleidung anboten, wie auch die Vertreter der Marke KNZENCH1. Am Freitag, den 28. April ging es bereits mit der ersten Einheit los und die Oberstufe durfte einen ersten Eindruck vom südafrikanischen Training des dortigen Chief-Instructors Johan La Grange bekommen. Korrektes Ausholen beim Blocken in Verbindung mit optimalem Hüfteinsatz waren das Grundthema und das erklärte Ziel: schneller werden. Mit zahlreichen Richtungs- und Seitenwechseln, hatten nicht nur die Karatekas ihren Spaß, sondern auch Sensei La Grange beim Anspornen zu Höchstleistungen. Am Samstag wurde der Lehrgang dann offiziell durch den Präsidenten des Landessportbundes Andreas Silbersack eröffnet und das Training vom Abend zuvor schweißtreibend durch Johan La Grange fortgesetzt. Hinzu kam nun der Wechsel der Bewegungsrichtung beim Angriff im Kumite. Schräg ausgeführte Zukis und die schnelle Wendung des Körpers durch Hüfteinsatz. Komplettiert wurde das Ganze dann mit dem zu Boden bringen des Partners. In der zweiten Einheit des Tages standen die Teilnehmer der Oberstufe nun dem JKA und WKF Weltmeister Sensei Toshihito Kokubun gegenüber, der die Vorwärtsbewegung und die Wendungen in der Kata Heian Shodan im Detail durchging und dabei jede Bewegung in zwei Teile zerlegte. Hier war gute Fuß- und Beinarbeit der Teilnehmer gefragt. Nachdem geübt wurde, sicher und ordentlich zu stehen und sich zu bewegen, ging es daran, dem Gegner eben diesen Stand während einer Partnerübung zu nehmen. Dank der fachkundigen Übersetzung des Japanischen durch Schlatt, konnten alle Karateka den aufschlussreichen Ausführungen des Senseis folgen und sich daran versuchen, ihre Trainingspartner zu Boden zu bringen. Das letzte Training des Samstags leitete dann Sensei Akita, der auf eine gerade Körperhaltung bei der Ausführung des Kihontrainings Wert legte. Seine zuvor erlernte Kombination aus Blöcken wurde dann in Zusammenarbeit mit dem Partner vertieft. Wieder hieß es schneller werden und nicht verkrampfen, denn dafür ließen die Kommandos des Senseis keinen Raum mehr. Erneut konnte vermutlich jeder Karateka in der Halle seine Grenzen austesten und vielleicht sogar etwas verschieben. In der Zeit zwischen den Einheiten gab es die Möglichkeit die Sonne im Hof der Mittellandhalle zu genießen. Hier hatte der HKC eine Art kleines Markttreiben organisiert, um für das leibliche Wohl, in Form von Fisch, Gulasch, Eis, Grillgut und Getränken zu sorgen und über die Region zu informieren. Dazu trugen ein Stand der Deutsch-Japanischen-Gesellschaft (DJG) bei, welcher über die Geschichte und das Leben in Japan informierte, ein Stand der Bonsai-Freunde, die einen Einblick in die Pflege und Haltung von Bonsais gaben und außerdem gab es die seltene Gelegenheit japanische Kampfhühner zu sehen, die die Ausstellung der japanischen Stände komplettierte. Des Weiteren gewährten die IFA-Oldtimerfreunde Barleben mit Original Zweirädern und Pkw’s einen Einblick in die Geschichte des Fahrzeugbaus der DDR. Hinzu kam der Heimatverein der Ortschaft Barleben, der über die Traditionen und die Geschichte des Ortes informierte und dessen Vertreter mit Salaten und Kuchen den Karatekas neue Energie lieferten.

Nach dem letzten Training stand ab 17 Uhr ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm: Ein Vergleichskampf der Vereine, nach dem Vorbild des Prager Gichin-Cup. Die lautstarke und rhythmische Eröffnung erfolgte durch die Taiko-Gruppe des HKC „Higashi Daiko“. An den Start gingen fünf Teams. Nach den Grußworten durch die Vorsitzende des Vereins Claudia Walsleben, die die Geschichte des Clubs noch einmal nachzeichnete und den herzlichen Worten des Herrn Gesandten Iwama der japanischen Botschaft, richtete noch der Bürgermeister der Gemeinde Barleben, Herrn Keindorff das Wort an die Zuschauer, Lehrgangsteilnehmer und Kämpfer. Bevor die Begegnungen der fünf Vereine, darunter ein tschechisches Team, jedoch starteten, lag es dem HKC noch einmal am Herzen, auf zwei Spendentöpfe aufmerksam zu machen. Zum einen die seit 2011 laufende Spendensammlung „von Herz zu Herz“ für Kinder in Nordost-Japan, welche Kinderheime im tsunamigebeuteten Fukushima unterstützt und zum anderen ein Spendenaufruf für den sehr schwer chronisch erkrankten südafrikanischen Karatemeister Ken Wittstock, Träger des 8. Dans. Er konnte das Karategeschehen der vergangenen Jahre in Deutschland durch seine Lehrgänge bereichern und ist derzeit leider auf eine 24-Stunden-Pflege angewiesen. In Südafrika gibt es keine den deutschen Standards entsprechende Kranken- oder Pflegeversicherung, weshalb diese Unterstützung dringend notwendig ist und sich Thomas Specht, der in direktem Kontakt mit der Frau von Ken Wittstock steht, in Deutschland dafür engagiert. Für beide Anliegen spendete der HKC spontan je 250 € und freut sich mitteilen zu können, dass für die Aktion „von Herz zu Herz“ insgesamt 305 € an den Präsidenten der DJG, Herrn Professor Wisweh und für Ken Wittstock 460 € an Thomas Specht übergeben wurden.

Nach einem weiteren eindrucksvollen Stück der Taiko-Gruppe startete dann der Vergleichskampf. Jedes Team stellte zwei Kumite-Herren, eine Kumite-Dame und je einen männlichen und weiblichen Kata-Vertreter. Die errungenen Punkte in den Begegnungen wurden am Ende addiert und hatten den Sieg des Teams aus Siegen zur Folge. Auf Platz zwei kamen die tschechischen Gäste, die Bronzemedaille erkämpften sich die Marburger, auf dem vierten Rang stand das Ausrichterteam des HKC und auf Platz fünf kam die Mannschaft von Ippon Frankfurt. Damit war der offizielle Teil des Samstags abgeschlossen und die Party auf dem Innenhof mitsamt DJ und Live-Band konnte starten. Als Überraschung für seine Gäste spendierte der HKC 100 Liter Freibier. Bei lautem Gesang und ausgelassenem Tanz ging die Feier bis spät in die Nacht. Trotzdem standen am nächsten Morgen wieder alle in der Halle, zu den letzten zwei Einheiten des „Ni-Ju Nen“. Den Anfang machte Sensei Akita mit Kata. Schnelle Fortbewegung war wieder das Ziel, indem quasi die Schwerkraft genutzt wird und man sich selbst beispielsweise in Drehungen ein Bein „nimmt“, um kontrolliert in die richtige Richtung zu fallen. Dabei war es Sensei Akita jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein Karateka nicht verbissen nur immer an den Endzustand einer Bewegung denken darf. Das Ziel wäre dann auf einen von einem selbst entfernten Punkt gerichtet. Der Fokus sollte mehr auf dem Weg dahin liegen und die Mittel bedenken, wie man Schritt für Schritt seinem Ziel näher kommt. Darauf sollte der Geist gerichtet sein. Zuletzt verblüffte nochmals Sensei Kokubun mit seinen geschmeidigen, fließenden und schnellen Bewegungen. Die Karatekas standen nun vor der Aufgabe, diese selbst umzusetzen. Gemeinsam mit dem Partner wurde versucht aus einer lockeren Haltung heraus zunächst eine Spannung in den Beinen durch Kontraktion aufzubauen und diese dann auf den Partner gerichtet zu lösen. So leicht es auch bei Sensei Kokubun aussah, war es eine große Herausforderung, dem nahe zu kommen.

Sowohl bei der Verabschiedung, als auch über das gesamte Wochenende verteilt, freute sich der Verein über die vielen positiven Rückmeldungen. Der HKC ist dankbar über jeden Mitwirkenden, sei es als Teilnehmer, Zuschauer, Kampfrichter oder als einer der 50 Helfer vor Ort, die immer freundlich und mit viel Elan diese Veranstaltung bereichert haben. An dieser Stelle ein Dank an alle. Gleiches gilt für die zehn gewonnenen Sponsoren, ohne die dieses Event in dieser Form nicht möglich gewesen wäre: Colbitzer Heidebrauerei, Kroschke Werbung, Burger Schnelltransporte, EP Eurologistik, Fa. Jassen, Kaliwerke Zielitz, Kranservice Magdeburg, Otto Hausmeisterservice + Baustoffhandel, SaikoSports, SWM, TOC und die Wohnungsbaugenossenschaft Otto von Guericke. Gemeinsam wurde ein Erlebnis kreiert, dass einem zwanzigjährigen Jubiläum mehr als würdig war und das auch das weitere Potential des HKC zeigte. Einem Verein mit Herz, Kompetenz und Charme.

Auszeichnungen

"Großer Stern des Sports" 2004
in Bronze - 1. Platz
in Silber - 3. Platz

"Großer Stern des Sports" 2007
Stern in Bronze

Gütesiegel

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