Jahresabschluss die Erste: der HKC beim JKA Cup

Von Bianca Walsleben

Am vergangenen Samstag endete nicht nur die Wettkampfsaison 2017 für den „Hatsuun Jindo“ Karate-Club Magdeburg-Barleben e.V., sondern auch die Wettkampfkarriere von Stephan Walsleben ging zu Ende. Der Cheftrainer des HKC war 17 Jahre Mitglied der Nationalmannschaft des DJKB und bestritt von Kindesbeinen an Wettkämpfe im Karate. Nach dieser Zeit, die von den größten Erfolgen geprägt ist, die im Karate erreicht werden können, bereitete er sich selbst einen krönenden Abschied auf dem JKA Cup des DJKB am 11. November. Angereist mit neunzehn Teilnehmern, sollte es der erfolgreichste JKA Cup in der Geschichte des HKC werden und das, trotz der verletzungsbedingten Sperrung von vier Startern während des Wettkampfes durch den Turnier-Arzt.

Wie üblich begannen die Ausscheidungen  mit Kumite. Long Le Do kämpfte sich in der Altersgruppe 16-17 durch mehrere Runden bis ins Poolfinale. Dort führte sein Gegner einen Mawashi-Geri zum Kopf durch, der ihm zu einem vollen Punkt und somit zum Sieg verhalf. So euphorisiert von dieser Technik, ließen die Kampfrichter leider vollkommen außer Acht, dass dieser Fußtritt viel zu harten Kontakt hatte. Le Do blutete und ein Zahn war locker, was jedoch keiner bemerkte. Eine solche Trefferwirkung hat im Shiai (Wettkampf) die Disqualifikation zur Folge. Hier wurde nicht mal eine Verwarnung ausgesprochen, sondern sogar der Sieg erteilt. Trotz Einspruch ließ sich am Ausgang nichts mehr ändern, da der Kampf sehr rasch für beendet erklärt wurde. Der Wettkampfarzt sperrte Long im Anschluss für weitere Kumite-Begegnungen und ihm blieb einzig die Bronzemedaille. Ähnlich erging es seinem Cousin Huy Bui Ngoc bei den 14-15jährigen. Auch er ging wegen zu harten Kontaktes zu Boden, brauchte eine Weile um sich wieder zu erholen und wurde nach der Konsultation des Arztes gesperrt. So blieb auch er unzufrieden mit dem 3. Platz zurück, da der Ehrgeiz groß war, noch mehr zu erreichen. Der Neuzugang des HKC, Jasmin Leiner, fügte sich wunderbar in das Team ein und profitierte vom starken Zusammenhalt. Ihr Start in der Altersgruppe 14–15 glich einem Durchmarsch. Nach anfänglichen Distanzproblemen bewies sie ihre technische Vielfalt. Mehrfach sicherte sie sich  auf engsten Raum mit Ura-Mawaschi-Geri einen Ippon (voller Punkt) und damit den Sieg. Der Kampf um Platz eins und zwei sollte dann am Abend im Finale stattfinden. Doch dazu  sollte es leider nicht kommen, denn zuvor bestritt sie gemeinsam mit Celina Kreutz und Sophie Willuweit den Kumite-Team-Wettbewerb. Dort sprang beim Rückwärtsgehen ihre Kniescheibe heraus und das Knie verdrehte sich. Nach einem schmerzhaften Zusammenbruch auf der Kampffläche wurde sie sofort ins Krankenhaus gebracht, was das Aus an diesem Wettkampftag für sie bedeutete und daher bestand auch keine Möglichkeit mehr, um den Titel zu kämpfen. Es blieben die Silbermedaille und ihr Wille im nächsten Wettkampf wieder ganz vorn dabei zu sein. Die Pechsträhne sollte leider noch nicht zu Ende sein, denn auch Fabian Lüdke wurde von seinem ungehaltenen Gegner im Kumite-Team so stark am Kopf getroffen, dass er aufgrund einer Verletzung von der Nord-DM zur Sicherheit nicht weiterkämpfen durfte. Somit ereilte ihn das gleiche Schicksal, dass er seinen zuvor errungenen Finaleinzug im Einzel nicht beenden konnte. Sehr unzufrieden mit diesem abrupten Ende, hieß es Silber für Lüdke. Im Team wurde er durch Simon Zerlin ersetzt, der gemeinsam mit Ferenc Dattko und einem Gastkämpfer Silber errang. Ganz ohne Verletzungen veredelte sich Valentin Hennig seinen erstmaligen Start beim JKA-Cup bei den 12-13jährigen gleich mit Bronze. Hervorzuheben ist die Leistung von Lara Robra. Sie ging als Goldkind aus dem Tag hervor. In der Altersgruppe 12–13 ließ sie sowohl im Kumite als auch in Kata alle Kämpferinnen hinter sich und wurde Doppel-JKA-Cup-Siegerin. Zunächst noch  ungewiss, ob sie starten sollte, da sie verletzungsbedingt eine längere Pause nehmen musste, stand Bianca Walsleben auf Anraten ihres Trainers auf der Matte bei den 21-29jährigen. Mit dem einfachen Ziel möglichst viele Kämpfe zu bestreiten, um wieder in Form zu kommen. Umso erfreulicher war es, dass sie im Kumite mit dem 3. Platz und in Kata mit dem 4. Platz belohnt wurde. Als Gaststarterin ging sie außerdem im Kumite-Team für München mit an den Start, welches die Bronzemedaille erkämpfte. Ebenfalls mit leichtem Trainingsrückstand  kämpfte sich Roman Dinh durch die Kata-Vorrunden und belegte trotzallem einen beachtlichen vierten Platz. Sein Mannschaftskollege und Medaillen-Favorit Niclas Huckauf zeigte erneut sein Format. Im Kata-Einzel der 18-20jährigen zog er ebenfalls problemlos ins Finale ein. Dort führte er seine neue Kür-Kata Kanku Sho sehr ausdrucksstark, kraftvoll und sicher vor. Die Wertung der Kampfrichter mit 40,4 versprach viel und nur ein weiterer Starter danach konnte ihm den Sieg noch streitig machen. Leider nutzte dieser die Möglichkeit auch voll aus und erlangte, trotz zweier Wackler, überraschend eine Wertung von 40,6 Punkten und verwies Huckauf auf den Silberrang.

Es ging mit großen Schritten auf den Höhepunkt des Abends zu: Dem Kumite-Finale der Herren ab 21 Jahren. Hier wollte Stephan Walsleben ein letztes Mal zeigen, dass er zu Recht zu den besten Deutschlands zählt. Angetrieben von seinem Ehrgeiz, unterstützt durch alle Mitgereisten des HKC und profitierend von seiner enormen Erfahrung, brachte er die Vorrunden ohne Zwischenfälle hinter sich und zog in das Achtelfinale des Abends ein.

Bevor diese Disziplin ausgetragen wurde, erwartete den Cheftrainer noch eine Überraschung. In abgedunkelter Halle, mit Spot auf der mittleren Kampffläche, holte der Präsident des DJKB, Sepp Kröll, Stephan zu sich nach vorn und sprach  ihm vor den versammelten Karateka und dem Publikum eine Ehrung um seine Verdienste aus. Sein unermüdlicher Kampfgeist wurde gelobt und eine beeindruckende Liste seiner Erfolge vorgetragen. Dazu zählten sowohl nationale als auch internationale Titel, welche bei dem fast 34jährigen seit seinem 15. Lebensjahr vom Deutschen Meister, Deutschen Vize-Meister, JKA-Cup-Sieger, Europameister, Vize-Europameister, Weltmeister, Vize-Weltmeister und diversen 3., 4. sowie 5. Plätzen bei den internationalen Meisterschaften reichten.  Vom DJKB-Nationalcoach, Thomas Schulze, wurde ihm zum Dank und zur Anerkennung dieser Leistungen ein Präsent übergeben.

Noch motivierter als bereits zuvor, ging Walsleben anschließend an den Start der letzten acht Kämpfer. Dynamisch, zielsicher und taktisch klug gewann er die folgenden zwei Begegnungen und stand in der letzten Runde einem weiteren bekannten Gesicht gegenüber: Stefan Gude, sein Teamkollege aus der Nationalmannschaft. Um den Kämpfern noch mal alles abzuverlangen, dauert der letzte Kampf immer doppelt so lange (vier Minuten) und es müssen zum Sieg auch doppelt so viele Punkte erzielt werden (vier Wazari/zwei Ippons). Gestützt von seiner Erfahrung und getragen von den Zurufen seiner Schüler am Mattenrand, ging Stephan an den Start und holte sich facettenreich die ersten zwei Punkte. Doch das sein Gegner kein leichtes Spiel zulässt, wurde den Zuschauern spätestens klar, als dieser seinen ersten Punkt gegen Walsleben macht. Nicht aus der Ruhe zu bringen, erzielte Stephan Punkt drei. Nur noch ein Punkt trennten ihn vom goldenen Abschluss. Mit 3:1 in Führung hätte er zwar nur noch auf den Schlussgong warten müssen, doch das war noch  nie sein Stil. Zu groß war auch die Gefahr, dass Gude nochmal punktet. Dem wollte Walsleben zuvor kommen und griff erneut an. Gude ging mit und beide kamen zur gleichen Zeit vor. Das hatte eine enorme Verkürzung der Distanz zur Folge, die Stephan  im Eifer des Gefechts nicht mehr ausgleichen konnte und seinen Gegner bedauerlicherweise hart auf der Nase traf. Wie später bekannt wurde, brach diese dabei. Die Kampfrichter hatten laut Reglement keine andere Wahl und mussten Stephan Walsleben  unter  Protesten des Publikums disqualifizierten. Es blieb statt des erhofften Golds, die silberne Medaille. Doch der Stolz und die Anerkennung (nicht in Bezug auf den zu harten Kontakt) seiner Schützlinge waren ihm trotz allem gewiss.

Mit ungebrochenem Kampfeswillen entschied er sich, das Angebot von Marburg anzunehmen und deren Kumite-Team im Finale als fünfter Kämpfer aufzustocken. Das sollte sich auszahlen. Er bewies, dass er ein sauberer sowie souveräner Kämpfer ist und trug mit seinem Sieg dazu bei, dass das Kumite-Team Marburg die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen konnte. So wurde dieses Wochenende mit einem lachendem und einem weinenden Auge abgeschlossen. Der krönende Abschied gelang und Stephan wird sich weiterhin in wahrscheinlich noch umfangreicherem Maße um den Erfolg des HKC bemühen. Sowohl beim Training mit den Breitensportlern, als auch mit seinen Schülern der Kadergruppe. Vielleicht lässt sich dann die herausragende Bilanz von drei ersten, fünf  zweiten, sieben dritten und zwei vierten Plätzen sogar noch steigern. Als nächstes wird er sein Wissen auf dem Herbstlehrgang des HKC am 18. November gemeinsam mit Davor Vranjes weitergeben.

Platzierungen:

Kumite

  1. Platz: Lara Robra

Kumite-Team Marburg mit Stephan Walsleben

  1. Platz: Jasmin Leiner

Fabian Lüdke

Stephan Walsleben

Kumite-Team (Ferenc Dattko, Fabian Lüdke, Simon Zerlin)

  1. Platz: Valentin Hennig

Long Le Do

Huy Bui Ngoc

Bianca Walsleben

Celina Kreutz

Sophie Willuweit

Kumite-Team München mit Bianca Walsleben

Kata

  1. Platz: Lara Robra
  2. Platz: Niclas Huckauf
  3. Platz: Roman DinhDie gekennzeichneten Bilder wurden mit freundlicher Unterstützung durch Alexander Raitz von Frentz zur Verfügung gestellt!

Auszeichnungen

"Großer Stern des Sports" 2004
in Bronze - 1. Platz
in Silber - 3. Platz

"Großer Stern des Sports" 2007
Stern in Bronze

Gütesiegel

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